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GOTT
- plötzlich DA in meinem Leben, nicht mehr nur im Kopf,
sondern tief drinnen, im Herzen.
Völlig
verrückt, ich gebe es zu. Buchstäblich ver-rückt,
den Standort gewechselt, total neues Leben gefunden, an
einer ganz alltäglichen, unbedeutenden Stelle der
Welt: keine Visionen, keine Entrückung, aber pure
Begegnung, beherztes, volles Leben, Glück. Alles
bekommt auf einmal Sinn, alles beginnt zu reden, auch
die vom Wohlstand verletzten, leergefegten Worte wie Gnade,
Gehorsam,
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Freiheit,
Demut... werden wieder randvoll, selbst das Leiden, selbst der
Tod
werden sinnvoll. Und wer ist "Schuld" daran?
Dieser
GOTT in Jesus Christus, dieser Unbegreifliche und doch so Nahe.
Kein Bild holt Ihn ein, kein Wort vermag Ihn zu fassen, immer
nur bleibt ein Stammeln über diese alles verändernde
Begegnung mit Ihm. Silja Walter, eine Benediktinerin aus dem Kloster
Fahr, meine ich, findet in ihren Texten die Sprache wieder, die
mir dann und wann verloren geht; sie gehört wohl auch zu
den verrückten Frauen, mit denen es GOTT wieder und wieder
wagt:
Es gibt das mächtige, das übermächtige Andere,
so zart wie gar nichts, so zart, so leise wie nichts in der Welt.
Auf der ganzen Erde, Sternenhimmel eingeschlossen, gibt es nichts
so Leises,
Denken, Fühlen und Lieben eingeschlossen,
es ist noch unsäglich leiser, und doch hat es die Weltscheibe
gesprengt...
Es ist, als wird da wirklich etwas gesprengt, die eigene, manchmal
auch gottlose, kleine Welt. GOTTES Wort, GOTTES Liebe berührt,
geht unter die Haut, das Leise, anfänglich so Zarte dringt
ein, wird mächtig im eigenen Herzen, wird immer lauter und
bleibt da tief "drin" wohnen. Nicht zu begreifen, aber
es ergreift, überwältigt. Ahnung wächst zur Gewissheit.
Und dann nimmt sie den ganzen Raum ein, diese Gottesbegegnung,
mit all ihren Tiefen und Höhen, in Augenblicken tiefster
Freude, in Momenten der Tränen bis hin zum Verstummen.
Liebende müssen davon etwas ahnen, ja ich glaube, nur Liebende...
und jene, die noch dankbar staunen können, über ein
Gänseblümchen vielleicht, über einen Schneekristall
oder einen Teller dampfender Suppe.
Und dann gibt es eben nur noch das Eine, dann gab es für
mich nur noch das Eine: mit und für diesen GOTT gehen, "mit
allem", wie I. Raguin schreibt, "emigrieren, was man
ist, mit seinen Knochen, seinem Geist, seiner Seele, alles muss
mit...". Aufbruch ins Kloster, um Tag für Tag, Nacht
um Nacht auf diesen lebendigen GOTT zuzugehen. Aufbruch ins Kloster,
in dieses in den Köpfen vieler so verstaubte, monotone, leidenschaftslose
Leben hinter zumauernden Vorschriften und Regeln. Ach, welche
Vorstellungen!!
Seit zwölf Jahren lebe ich nun in der Gemeinschaft der Arenberger
Dominikanerinnen in Koblenz/Deutschland und habe hier in der Ferne
innerste Heimat - auch trotz Erfahrungen von Schwäche und
Unvermögen -, beglückende Heimat gefunden, mit dem tiefen
Bewusstsein, ganz und gar hierher zu gehören. Hier lernte
und lerne ich mit anderen Augen zu sehen, mit anderen Ohren zu
hören, mit dem Herzen DA zu sein und ich erfahre, dass dieses
Leben geprägt ist von einer lebenslangen Gottsuche, von der
eigenen lebenslangen Menschwerdung d.h. von meiner ureigensten
Verwirklichung in DEM, der mich geschaffen hat.
Es bleibt ein ständiges Unterwegssein, jedoch nicht im Alleingang,
sondern in Gemeinschaft. In Gemeinschaft folgen wir den Spuren
Jesu, geführt und angeleitet durch das einzigartige Leben
unseres Ordensvaters Dominikus (um 1173 - 1221) und unserer Gründerin
Mutter M. Cherubine Willimann (1842 - 1914).
Beide geben uns Schwestern den Auftrag, in der heutigen Zeit für
das Heil der Menschen gegenwärtig zu sein (Heil birgt das
Wort Heilung, und Heil meint immer auch versöhntes, befreites
Leben, was letztlich nur in der Beziehung zu GOTT gelingen kann;
Heil meint Ganzsein, ein Integrieren all dessen, was mich als
Person ausmacht.)
Das Leben im Kloster ist kein Verlieren. Es ist, Du magst es glauben
oder nicht, Gewinn, volles, bewegtes, buchstäblich verrücktes
Leben.
Sr. M. Scholastika
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